Wände streichen: So verwandelst du dein Zuhause in nur einem Wochenende
Ich stand da mit dem Farbroller in der Hand und dachte: Warum habe ich nicht schon viel früher angefangen? Vor mir lag ein Raum, der seit Jahren in demselben fahlen Beige gestrichen war. Drei Tage später sah die Wohnung aus wie neu. Wände streichen ist wahrscheinlich die effektivste Methode, um einem Raum komplett neues Leben einzuhauchen. Und das Beste daran ist, du brauchst kein riesiges Budget, sondern nur ein bisschen Zeit und die richtige Vorbereitung. Ich habe in den letzten Jahren bestimmt zehn verschiedene Zimmer gestrichen, jedes Mal mit einem anderen Ergebnis. Mal wurde es ein warmer Terrakotta-Ton für das Wohnzimmer, mal ein kühles Grau für das Schlafzimmer. Mit jedem neuen Anstrich habe ich dazugelernt, vor allem was die Fallstricke angeht. Die größte Fehlerquelle ist nämlich die Ungeduld. Wenn du die Farbe zu dick aufträgst oder die Trockenzeit nicht einhältst, siehst du später jede einzelne Spur. Fang also lieber mit einem kleinen Raum an, wenn du noch nie gestrichen hast. Das Badezimmer oder der Flur sind perfekt für den ersten Versuch. Du wirst sehen, wie schnell dich die Ergebnisse motivieren.
Bevor du überhaupt den Pinsel in die Hand nimmst, musst du den Raum richtig vorbereiten. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: Dieser Schritt macht den Unterschied zwischen einem professionellen Look und einer Katastrophe. Räume alle Möbel aus dem Zimmer oder schiebe sie zumindest in die Mitte und decke sie mit Malerfolie ab. Für den Boden reicht ein dickes Abdeckvlies. Dann kommen die Ränder. Klebe alle Leisten, Fensterrahmen und Steckdosen mit Malerkrepp ab. Drücke das Klebeband gut an, sonst läuft die Farbe darunter. Besonders wichtig ist die Grundierung. Wenn die Wand saugend ist oder du von einer dunklen auf eine helle Farbe wechselst, musst du grundieren. Ich habe einmal eine Wand von dunklem Lila auf Weiß gestrichen und dachte, eine Schicht reicht. Falsch gedacht. Nach vier Anstrichen war sie endlich deckend. Seitdem verwende ich immer eine Tiefengrundierung für solche Fälle. Das spart Zeit, Nerven und vor allem Farbe. Eine gut grundierte Wand nimmt die Farbe gleichmäßiger auf und du brauchst oft nur zwei Anstriche. Wenn du ein Zimmer mit einem großen Fenster hast, streiche an dem Tag, wenn das Licht von der Seite kommt. So siehst du besser, ob du gleichmäßig arbeitest.
Jetzt kommt der spannende Teil: die Farbe und das Werkzeug. Ich schwöre auf hochwertige Farben von Marken wie Alpina oder Caparol. Ja, sie kosten ein paar Euro mehr, aber du brauchst meistens nur einen oder zwei Anstriche, während Billigfarben oft drei oder vier benötigen. Rechne pro Quadratmeter etwa 150 bis 200 Milliliter Farbe. Für ein durchschnittliches Zimmer von 20 Quadratmetern Wandfläche sind das etwa drei bis vier Liter. Beim Werkzeug rate ich zu einem guten Farbroller mit mittlerem Flor für glatte Wände. Für strukturierte Wände nimm einen mit langem Flor. Vergiss nicht die Ecken und Kanten. Hierfür brauchst du einen schmalen Pinsel, etwa 4 bis 6 Zentimeter breit. Male zuerst die Kanten mit dem Pinsel vor, etwa fünf Zentimeter breit. Dann rollst du die Fläche aus. Die Technik ist einfach: Rolle die Farbe im Kreuzgang auf, also erst senkrecht, dann waagerecht. So verteilt sich die Farbe gleichmäßig. Arbeite immer von oben nach unten und von einer Ecke zur anderen. Wenn du eine Pause machst, wickle den Roller in Frischhaltefolie, damit er nicht austrocknet. Das habe ich von einem Malermeister gelernt.
Eine Frage, die mir oft gestellt wird: Welche Farbe passt zu welchem Raum? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Lichtverhältnisse alles bestimmen. In einem Nordzimmer mit wenig Tageslicht wirken warme, helle Töne wie Creme oder zartes Gelb viel freundlicher als kühle Grautöne. Ein Südzimmer hingegen verträgt auch kräftigere Farben wie ein dunkles Blau oder ein sattes Grün. Ich habe letztes Jahr mein Schlafzimmer in einem sanften Salbeigrün gestrichen, und es fühlt sich an wie eine kleine Oase. Die Farbe harmoniert perfekt mit dem hellen Holz meines Bettgestells. Aber Vorsicht: Dunkle Farben lassen einen Raum optisch kleiner wirken. In einem kleinen Zimmer mit nur 12 Quadratmetern würde ich sie nur für eine Akzentwand verwenden. Die anderen Wände bleiben dann in einem helleren Ton. Das schafft Tiefe und lässt den Raum größer erscheinen. Wenn du unsicher bist, kauf dir Musterkarten oder noch besser: kleine Farbmuster zum Anstreichen. Male sie an verschiedene Stellen der Wand und schau sie dir bei Tages- und Kunstlicht an. Farben verändern sich je nach Lichteinfall enorm.
Jetzt kommen wir zu den Details, die oft übersehen werden. Das Streichen von Decken und Heizkörpern. Eine ist ein Klassiker, aber ich habe schon erlebt, dass eine leicht getönte Decke den Raum komplett verändert. Ein Hauch von Blau oder Grau an der Decke lässt den Raum höher wirken. Das ist ein Trick, den Innenarchitekten lieben. Für die Decke brauchst du einen Teleskopstiel für den Roller, sonst bekommst du Rückenschmerzen. Heizkörper sind eine Herausforderung. Wenn du sie nicht ausbauen willst, streichst du sie am besten mit einem speziellen Heizkörperpinsel, der einen langen, gebogenen Stiel hat. So kommst du auch hinter die Rippen. Achte darauf, dass die Farbe hitzebeständig ist, sonst blättert sie später ab. Eine andere Sache sind die Türrahmen und Fensterbänke. Hier verwendest du am besten Acrylfarbe, die sich mit Wasser reinigen lässt. Sie trocknet schneller als Lack und ist weniger geruchsintensiv. Ich streiche diese Teile immer zwei Tage vor den Wänden, damit sie trocken sind, wenn ich mit dem Abkleben beginne. So vermeidest du hässliche Übergänge.
Ein häufiges Problem beim Wände streichen sind die sogenannten Nasen und Läufer. Nasen sind kleine Farbrückstände, die beim Rollern entstehen, und Läufer sind Tropfen, die an der Wand herunterlaufen. Beides passiert, wenn du zu viel Farbe auf dem Roller hast. Tauche den Roller nicht komplett ein, sondern nur etwa zur Hälfte. Rolle ihn dann auf der Abtropfplatte der Farbe ab, bis er gleichmäßig benetzt ist. Wenn doch eine Nase entsteht, warte bis die Farbe leicht angetrocknet ist und schleife sie mit feinem Schleifpapier ab. Dann streichst du die Stelle noch einmal. Läufer entstehen oft an Kanten, wo die Farbe sich sammelt. Arbeite deshalb immer mit einem sauberen Pinsel für die Kanten und vermeide zu nasse Farbe. Ein weiterer Tipp: Lüfte den Raum während des Streichens gut. Das beschleunigt die Trocknung und reduziert den Geruch. Aber ziehe keine Zugluft, sonst trocknet die Farbe ungleichmäßig. Fenster auf Kipp reicht völlig. Und vergiss nicht, eine alte Kleidung zu tragen. Farbe auf der neuen Jeans ist schwer zu entfernen.
Zu guter Letzt möchte ich über die Nachhaltigkeit sprechen. Ich verwende mittlerweile fast ausschließlich emissionsarme Farben mit dem Blauen Engel. Sie enthalten weniger Lösemittel und sind besser für die Raumluft. Gerade in Schlafzimmern und Kinderzimmern ist das wichtig. Die Farben decken oft genauso gut wie herkömmliche, trocknen aber etwas langsamer. Das ist der einzige Nachteil. Beim Wände streichen habe ich gelernt, dass die Vorbereitung die halbe Miete ist. Wenn du sauber arbeitest, hält das Ergebnis Jahre. Sollte doch einmal eine Stelle nachbessert werden müssen, hebe dir immer etwas Farbe in einem kleinen Glas auf. Notiere dir den Farbcode und den Hersteller. So findest du auch Jahre später noch den passenden Ton. Ich habe ein kleines Notizbuch, in dem ich für jeden Raum die Farben und das Datum des Anstrichs notiere. Das klingt vielleicht übertrieben, aber wenn du einmal eine Wand ausbessern musst, bist du froh, wenn du die genaue Farbe parat hast. Und denk daran: Ein neuer Anstrich kann auch kleine Macken in der Wand kaschieren. Risse füllst du vorher mit Spachtelmasse, dann sieht die Wand wieder aus wie neu.